#29/364 – Das HvK-Trauma

Es begann gestern mit einem unvorsichtigem „mag ich“ auf der Facebookseite von Christoph. Schwupps wurde mir ein Künstler zugewiesen und ich sollte, wörtlich:

The idea is to occupy Facebook with art, breaking the monotony of photos of lunch, sushi, and sports. Whoever likes this post will receive an artist and has to publish a piece by that artist with this text.

Wie gesagt, schnell gemocht und mir wurde Heinrich von Kleist zugewiesen.
Ich starte daraufhin eine Suche nach einem Richter mit Restalkohol, der Adam heißt, gestern in der Kneipe war, dort randaliert hat und deswegen jetzt möglichst verhauen aussieht. (die kulturell gebildeten unter meinen Lesern werden wissen, warum…)
Das ist auf einem Mittwoch nicht ganz so leicht. Um die Aufgabe zu erfüllen, musste also eine szenisch korrekte fotografische Umsetzung ausfallen und so entschloss ich mich vorhin, es ehrlich mit meiner persönlichen Beziehung zu Kleist’s Werk zu versuchen (einfach nur etwas Text posten war mir dann doch zu platt).

Das ist gar nicht so einfach für einen Ex-Gymnasiasten, in dessen Schulzeit Brokdorf und der Doppelbeschluß, Anna Seghers und das siebte Kreuz, der heiße Herbst und ein Bundeskanzler Schmidt gehörten. Ich habe Kleist nie gemocht, ich habe mich redlich um die zugehörigen Referate gedrückt und so sind mir nur wenige Dinge von Ihm im Gedächtnis geblieben. Einige davon stehen in dem blauen Buch auf dem Foto, in mittleren einstelligen Zahlen chiffriertBild

Im Gedächtnis geblieben ist das Moralstück vom zerbrochenen Krug. Aufgemacht als einfaches Bauerntheater ist es bei genauerem Hinsehen auch heute noch ein lehrreiches Abbild der Amtlichkeit, ein Blick in den Abgrund des Menschen und ein Lehrstück in der Verwendung von Symbolen und Metaphern. Das beginnt mit der Namenswahl der Protagonisten (Dorfrichter Adam und die schöne Eve als Anspielung auf den Sündenfall), endet mit der bei Saufen verlorenen Richterperücke, die ihn später überführt und sein Amt entweiht. Dazu eine schon derbe Sprache, ganz nach meinem Geschmack. Zum Lesen geht’s so (ich hasse Reclamhefte zutiefst), als Theaterstück recht kurzweilig.

Schade, all dies habe ich während der Schulzeit nie erkannt.

Hier noch der Link zu den sehenswerten Bildern von Christoph, die noch bis  Freitag in der Galerie Arppe hängen und dort erworben, zumindest aber bestaunt werden sollten. http://www.christoph-herz.de/

Und um jetzt die Aufgabe vollständig zu erfüllen, hier der Aufruf zum Mitmachen:

The idea is to occupy Facebook with art, breaking the monotony of photos of lunch, sushi, and sports. Whoever likes this post will receive an artist and has to publish a piece by that artist with this text.

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